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Der teuerste Kaffee

19. Juni 2026 durch
Der teuerste Kaffee
Nicola Schäppi

Der wichtigste Rohstoff bei Kaffee ist die Kaffeekirsche — genauer: der Samen darin, die Bohne. Teure Kaffees stammen von mikroskopisch kleinen Ernten, oft nur wenige Kilogramm pro Jahr, aus entlegenen Regionen, verarbeitet mit Methoden, die an Labortechnik grenzen. Hinzu kommt ein Mechanismus, den es in keiner anderen Lebensmittelkategorie gibt: Meisterschaften und Auktionen, die Preise in Höhen treiben, die mit Wein-Grand-Crus vergleichbar sind.


Der teuerste Kaffee der Welt wechselte im August 2025 an der Best-of-Panama-Auktion den Besitzer: Ein gewaschener Gesha von Hacienda La Esmeralda, mit 98 von 100 Punkten bewertet — der höchste Score, der je an dieser Auktion vergeben wurde. Die 20-Kilogramm-Partie erzielte 30'204 US-Dollar pro Kilogramm, insgesamt über 600'000 Dollar. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor lag der Spitzenpreis bei 10'013 Dollar pro Kilogramm. Die Preise haben sich innert zwölf Monaten verdreifacht.

Doch diese Kaffees sind nicht für den Ladentisch bestimmt. Sie gehen an Röster in Japan, Taiwan, Südkorea, den USA — Märkte, in denen Specialty Coffee einen anderen Stellenwert hat als in der Schweiz. Was bedeutet das für den Schweizer Gastronomen, der seinen Gästen das Aussergewöhnliche bieten will?

Der teuerste Kaffee der Schweiz


«Der schwierigste Kaffee, den ich je geröstet habe — und der intensivste, den ich je probiert habe.» 

Nicola Schäppi, Vize-Schweizermeister im Aufgiessen 2023 und Gründer der Coffee Space GmbH, spricht über seinen Wush Wush. 40 Gramm kosten 120 Franken. Aufs Kilo gerechnet sind das 3'000 Franken — und selbst das ist nur die Hälfte dessen, was der Röster für das grüne Rohmaterial bezahlt hat, denn bei Nano Lots dieser Güteklasse fallen beim Rösten 15 bis 20 Prozent Gewichtsverlust an.


Der Wush Wush ist ein Nano Lot aus Kolumbien. Von den ursprünglich fünf Kilogramm, die der Produzent erntete, sind noch 40 Gramm verfügbar. Geröstet wird in 80-Gramm-Chargen, auf Bestellung. «Wir reservieren diesen Kaffee für Meisterschaften», sagt Schäppi. «Deshalb nennen wir weder Produzenten noch genaue Herkunft — wir wollen die nächsten Lots kaufen können, ohne dass uns jemand zuvorkommt.»

Die Aromen: Himbeere, Brombeere, dunkle Schokolade, Traube. Keine subtilen Anklänge, sondern dominante, unüberhörbare Noten. «Nach zwei Wochen Ruhezeit wird die Beeren-Seite noch ausgeprägter», erklärt Schäppi. «Das ist kein Kaffee für den Alltag. Das ist ein Kaffee für den Moment, an den man sich Jahre später erinnert.»

Coffee Space führt noch eine zweite Rarität im Sortiment: eine Gesha aus Kolumbien für 80 Franken pro 40 Gramm (2'000 Franken pro Kilo). «Die überwältigendste Gesha, die ich je geschmeckt habe», sagt Schäppi. Pfirsich, Safran, Bourbon-Vanille, Bergamotte — vier Geschmacksschichten, die nacheinander eintreffen, «wie ein Tasting-Menü in der Tasse».

Warum Meisterschaftskaffee jedes Jahr teurer wird


Der Preisanstieg bei Spitzenkaffee folgt einer eigenen Logik. Sie beginnt bei den Wettbewerben.

«An der Best of Panama oder der Cup of Excellence werden Kaffees von internationalen Juroren auf einer 100-Punkte-Skala bewertet», erklärt Schäppi, der selbst nach SCA-Standard verkostet. «Ein Score über 90 Punkten ist herausragend. Über 95 ist historisch. Die 98 Punkte von La Esmeralda 2025 sind ein neues Territorium.»

Diese Scores erzeugen Prestige — und Prestige erzeugt Auktionsnachfrage. An der Panama-Cup-of-Excellence 2025 erreichten 28 von 40 Gesha-Lots Preise über 1'000 Dollar pro Kilogramm. Zehn Lots durchbrachen die 1'000-Dollar-pro-Pfund-Marke (2'200 Dollar pro Kilo). Das Gesamtvolumen der Auktion betrug mehrere Millionen Dollar — für insgesamt weniger als 500 Kilogramm Kaffee.

Der Mechanismus verstärkt sich selbst: Je höher die Vorjahrespreise, desto mehr Produzenten investieren in experimentelle Fermentationen, seltene Varietäten und mikroskopische Parzellen. Die Resultate werden besser, die Scores steigen, die Auktionspreise folgen. «Es ist eine Aufwärtsspirale», sagt Schäppi. «Und sie hat gerade erst begonnen.»

Hinzu kommt: Gesha — die Varietät, die seit ihrer Wiederentdeckung 2004 in Panama die Kaffeewelt dominiert — ist agronomisch anspruchsvoll. Sie trägt wenig Frucht, braucht spezifische Höhenlagen und ist krankheitsanfällig. «Gesha ist der Pinot Noir des Kaffees», vergleicht Schäppi. «Schwierig anzubauen, niedrige Erträge, aber wenn alles stimmt, entsteht etwas, das mit nichts anderem vergleichbar ist.»

Was heisst das für die Gastronomie?


Für Hotels und Restaurants, die ihren Gästen das Besondere bieten wollen, sind Kaffees dieser Preisklasse kein Daily-Driver — sondern ein Statement. Ein Wush Wush oder eine 98-Punkte-Gesha auf der Karte signalisiert: Dieses Haus versteht Kaffee auf dem Niveau, auf dem es Wein versteht.

«Ein Gast, der für eine Flasche Barolo 300 Franken bezahlt, versteht sofort, warum ein Kaffee 120 Franken für 40 Gramm kostet», sagt Schäppi. «Beide Produkte folgen derselben Logik: Terroir, Handwerk, Seltenheit, Bewertung durch Experten. Der Unterschied ist, dass Kaffee diese Geschichte erst seit zwanzig Jahren erzählt. Wein erzählt sie seit Jahrhunderten.»

Coffee Space bietet seine Raritäten nicht nur im Online-Shop an, sondern auch als White-Label-Partner für die Gastronomie: Hotels können unter eigenem Namen einen exklusiven Kaffee führen — von der Beschaffung über die Röstung bis zum Verpackungsdesign alles aus einer Hand.

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